NEIN! Wir lassen uns nicht verdrängen!

Mittwoch, 11. März 2009

Ist TINA tot? Wo bleibt TATA?

Am 28.3.2009 wird es zwei Großdemonstrationen in Berlin und Frankfurt geben, die unter dem gemeinsamen Motto stehen werden ›Wir bezahlen nicht für eure Krise‹.
Manche halten die Parole zwar für symphatisch, aber längst überholt – andere sehen in diesen Großmobilisierungen vielmehr eine Chance, aus dem weitverbreitenden Zustand der Betäubung und Paralyse auszubrechen – gedanklich und mit Bewegung…
Ist TINA (There Is No Alternative) tot?
und
Wo bleibt TATA (There Are Thousands of Alternatives) ?

Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Ostblockes Ende der 80er Jahre triumphierten die Vertreter und Ideologen des Kapitalismus und wähnten sich am Ende der Geschichte: Großspurig und drohend zugleich erklärten sie, zum Kapitalismus gäbe es keine Alternative: There is no alternative!
Fortan ging nicht mehr das Gespenst des Kommunismus um die Welt, sondern TINA. War es Gier, die sie 2008 stolpern ließ? Wer und was hat TINA zu Fall gebracht? Wird sie wieder aufstehen? Wird sie jemand daran hindern?
›Die Pleite des Kapitalismus‹
Für gewöhnlich hört man einen solchen Satz nicht von jenen, die den Kapitalismus seit Jahr und Tag für ›alternativlos‹, im schlimmsten Fall für verbesserungswürdig halten. In einer schweren Krise wie dieser schon.
Mit diesem fett gedruckten Schuldeingeständnis startete die Frankfurter Rundschau ihre Titelseite vom 9. Oktober 2008 – gefolgt von einem Satz aus dem ›Kommunistischen Manifest‹ von Karl Marx/Friedrich Engels, den man unter normalen Umständen aller höchstens im Feuilleton lesen darf:
»Die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor.«
Es muss etwas Gewaltiges, Erschütterndes passiert sein … Scheinbar und plötzlich steht alles auf dem Prüfstand: der ›Marktradikalismus‹, die Ideologie des sogenannten Neoliberalismus, die Mär von den ›Selbstheilungskräften des Marktes‹ …
Hegemonialmacht USA
Es herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass das Epizentrum dieser ›Finanzkrise‹ in den USA liegt. Das hat nicht nur etwas mit der (Schaden-)Freude der Mitkonkurrenten (in den EU-Staaten) zu tun, sondern vor allem mit den globalen Machtfaktoren. Mittlerweile sind die Stimmen fast vollständig verstummt, die behaupteten, dass hier alles ganz anders, Deutschland also nicht betroffen sei und jene, die ihren Traum von der polyzentristischen Welt für die Wirklichkeit hielten. In Wirklichkeit ist die ökonomische und politische Macht der USA nach wie vor so groß, dass fast alle Staatsökonomien davon betroffen sind – direkt oder indirekt.
Wie eng Finanz- und Industriekapital tatsächlich zusammenhängen, wird gerade jetzt peu a peu als Erkenntnis durchgereicht: Man rechnet als zweite Welle mit der größten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA und Europa.
Die politischen Konsequenzen aus der Finanzkrise?
Weltweit werden Billionen von Euro bzw. Dollar an Staatsgeldern dafür aufgewendet, das Bankensystem zu retten bzw. durch ›Konjunkturprogramme‹ die Einbrüche in den Produktionssektoren abzufedern, um so die Wertschöpfungskette entlang der reißenden Glieder zu bandagieren. Was als Keynesianismus, also staatliche, antizyklische Steuerungen des Wirtschaftslebens verschrien war, kehrt nun händeringend zurück: Der Staat als Arzt am Krankenbett des Kapitalismus.
Wie liebevoll und patientenorientiert dabei der deutsche Staat agiert, kann man die letzten Monate beobachten: Über 1.000.000.000.000 Euro an Steuergeldern wurden bislang bereitgestellt, um die (drohenden) Verluste zu sozialisieren. Wenn arme Menschen ihr Recht auf Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe in Anspruch nehmen, dann thront über allem der harmlos klingende Spruch: ›Fördern und Fordern‹. Im wirklichen Leben dieser Menschen hat dies bei fehlender ›Mitwirkungspflicht‹ Kürzungen des kargen Unterhalts von bis zu 80 Prozent zur Folge!
Geradezu lächerlich ist die ›Mitwirkungspflicht‹ derer, die diese Staatsgeschenke in Anspruch nehmen: Bis heute müssen Banken weder ihre Bilanzen offenlegen, noch ihr Vermögen aufbrauchen, bevor sie überhaupt Anspruch auf staatliche Transferleistungen haben. Während Sozialhilfe erst gewährt wird, wenn alle Konten und Vermögensverhältnisse der zurückliegenden zehn Jahre offengelegt worden sind, reicht für den Erhalt von Milliarden-Hilfen der Blick in die letzte Quartalsbilanz. Einen größeren Komplizenstatus des Staates bei Gewährung von Bürgschaften und Krediten und Teilverstaatlichungen ist kaum möglich: Man gibt vor, das Feuer im Hochofen zu löschen - mit verbundenen Augen und Öl.
Eine Krise des Kapitals oder
Der Kapitalismus in der Krise?
Selbstverständlich werden Politiker und Wirtschaftsbosse nicht müde zu betonen, dass nicht das kapitalistische System der Fehler sei, sondern Übertreibungen und Auswüchse, die man nur korrigieren müsse. Geradezu esoterisch beschwören sie die Krise als Chance zur Erneuerung, um gestärkt daraus hervorzugehen. Bisher geht diese Rechnung auf. Bleibt es bei diesem Fahrplan, wird es zu keiner Krise des Kapitalismus kommen, sondern zu einer längst überfälligen Korrektur innerhalb des Weltkapitalismus – zugunsten europäischer Staaten, die nun institutionell das festschreiben wollen, was ihnen an ökonomischer und politischer Macht längst zugefallen ist.
Wo ist TATA? Wo steht sie?
Susan George, Politikwissenschaftlerin und bis 2006 Vizepräsidenten von ATTAC-Frankreich, hatte genug von der gehörlosen Babydoll-Puppe TINA und stellte ihre Gegenspielerin TATA vor: There Are Thousands of Alternatives.
Tausende von Gegenvorschläge und Forderungen wurden seitdem zusammengetragen. Zumindest die Vorstellungen aus dem globalisierungskritischen ATTAC-Netzwerk hatten gelegentlich und am Rande in der bürgerlichen Öffentlichkeit Gehör gefunden. Noch bevor man die Finanzkrise offiziell einräumte, hatte ATTAC im Juni 2008 ein »Statement zur Finanzkrise und zu demokratischen Alternativen« verfasst. Die Forderungen und Vorschläge sind nicht neu: Besteuerung aller Arten von Finanztransaktionen, progressive Besteuerung von Kapitaleinkommen, Resozialisierung von privatisierten öffentlichen Gütern (Energie, Gesundheit, Bildung), Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften für Banken, Regulation von Derivaten, Stärkung nationalstaatlicher und internationaler Institutionen.
Einige dieser Forderungen haben Eingang in die »Empfehlungen« der Beratergruppe gefunden, die der Bundesregierung aus der Finanzkrise helfen sollen. Schließlich zielen all diese Maßnahmen nicht auf die Abschaffung, sondern auf die Stabilisierung und Optimierung des kapitalistischen Systems ab.
Von ganz unten kommen die Forderungen nach Abschaffung des Leiharbeiterstatus und prekärer Arbeitsverhältnisse, der Ein-Euro Jobs, der Hartz-IV-Gesetze bis hin zur Agenda 2010, begleitet von den Forderungen nach Mindestlohn und einem bedingungslosen Grundeinkommen. Ganz zweifellos würde die Verwirklichung dieser Forderungen das Leben von Millionen von Menschen erträglicher machen. Einige dieser Forderungen finden in den Reihen der parlamentarischen Opposition Gehör, doch der Druck auf die Große Koalition ist weder parlamentarisch noch außerparlamentarisch groß genug, um diese zu zwingen, dem nachzugeben.
Zwischen einem ›guten‹ Kapitalismus und dessen Überwindung
Einige der ›Attac‹-Forderungen stehen mittlerweile auf der Regierungsagenda. Sicherlich nicht, weil der Druck von unten so stark war und die Forderungen das System sprengen würden. Im Gegenteil: Sie stellen eine notwendige Balance zwischen Finanz- und Produktionssektoren her, um jene »unterirdischen Gewalten« wieder zu bändigen, die dem kapitalistischen System innewohnen. Das Ziel all dieser ›Zügelungen‹ ist ein Einfaches: Die Renditeerwartungen und –möglichkeiten zwischen Finanz- und Produktionskapital sollen wieder angeglichen werden! Das Ergebnis für eine antikapitalistische Linke wäre dann ein Makabres: Es würde sich fortan wieder lohnen, in Menschen statt in Erwartungen zu ›investieren‹. Im Zentrum des Kapitalinteresses stände fortan wieder die Ausbeutung des Menschen, mit Renditeerwartungen, für die man sich gegenüber der Konkurrenz nicht länger schämen müsste!
»Wir bezahlen nicht für eure Krise«
Das ist leichter gesagt als getan. Die Bundesregierung ist mit einer Billion Euro in Vorkasse getreten. Da diejenigen, die diese Krise verursacht haben weder persönlich noch unternehmerisch dafür haften, werden andere bezahlen müssen.
Noch sind die gigantischen Folgen der Krise bei den Lohnabhängigen nicht angekommen. Man könnte fast das Gegenteil vermuten: Die Verlängerung der staatlich finanzierten Kurzarbeit auf 18 Monate erleben viele als Erholung vom ruinösen Arbeitsalltag. Die Abwrackprämie von 2.500 Euro ist vielen ein Geschenk des Himmels, ihr altes Auto loszuwerden. Und so manche Schule, so mancher heruntergekommene Kindergarten wird nun (vorzeitig) renoviert …
Das Anfang 2009 beschlossene Konjunkturprogramm kann getrost unter das Betäubungsgesetz fallen: Tranquilizer für Lohnabhängige, die um ihren Job fürchten, Psychodelikas für den Mittelstand beim Kauf eines neuen Autos – ein Verschleierungsprogramm, das geradezu saubillig ist und als gelungenes Unterhaltungsprogramm auf der ›Titanic‹ für Ablenkung und Betäubung sorgt.
Alles spricht dafür, dass nach der Bundestagswahl 2009 spürbar damit begonnen wird, die Hunderte von Milliarden Euro Staatsschulden durch weitere ›Einsparungen‹ auszugleichen, die über eine Billion Euro bei denen einzutreiben, die sich nicht wehren können und wollen. Es wäre sicherlich ein großes aber machbares Ziel, die Sozialisierung dieser Milliarden-Schulden zu verhindern.
Dazu müsste man den Mut haben, aus der Autonomie der Vielfalt (die oft nur Vereinzelung bedeutet) auszubrechen, um gemeinsam einen Prozess zu wagen, der den Widerspruch zwischen Verbesserungen im System und Ziele, die darüber hinausweisen nicht leugnet, sondern zugunsten Letzterer in Bewegung bringt.

Der vollständige Text findet sich unter: www.wolfwetzel.wordpress.com

Veröffentlicht auf: de.indymedia.org

Dienstag, 10. März 2009

Fürth: Erfolgreiche Kundgebung gegen Nazitreff

SDAJ Fürth 07.03.2009 13:17 Themen: Antifa Antirassismus
Trotz regnerischen Wetters beteiligten sich über 100 Menschen an der Kundgebung gegen den Nazitreffpunkt „Zum Schilderhaus“ in Fürth. Nach Abschluss der Kundgebung zogen Antifaschisten noch lautstark vor die Kneipe
Am gestrigen Freitag, den 6.3. fand in der Ludwigstr. in Fürth eine Kundgebung gegen den seit Ende letzten Jahres bestehenden Nazitreffpunkt „Zum Schilderhaus“ statt. In der Kneipe „Zum Schilderhaus“ treffen sich „Freie Nationalisten“ deren führenden Köpfe aus der 2004 vom bayrischen Innenministerium wegen ihrer Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus verbotenen FAF kommen. Nach dem Verbot hatten sich die Neonazis legal in der NPD organisiert traten dort aber wegen interner Streitigkeiten Ende 2008 aus und forcieren seitdem den Aufbaue des „Freien Netz Süd“.
Da der Wirt in einem persönlichen Gespräch auf die rassistischen und kriminellen Machenschaften seiner braunen Gäste hingewiesen wurde und daraufhin den Antifaschisten und nicht den Nazis ein Hausverbot erteilte hat die SDAJ im Bündnis mit den Nachbarinnen und Nachbarn eine öffentlichkeitswirksame Kampagne gegen den Nazitreffpunkt gestartet. Den Auftakt bildete die gestrige Kundgebung an der sich knapp über 100 Menschen, darunter sehr viele Anwohner beteiligten. In drei Redebeiträgen wurde näher auf das Naziproblem eingegangen: Eine antifaschistische engagierte Anwohnerin, deren Auto, das in der Querstraße zum „Schilderhaus“ abgestellt war und Mitte Januar komplett zerstört wurde erzählte von den hämischen Kommentaren in Naziforen und forderte die Polizei, angesichts von über 20.000 € Sachschaden den Nazis in Fürth in den letzen Monaten durch Anschläge verursacht hatten, auf endlich gegen diese kriminelle Bande vorzugehen.
Als zweiter Redner sprach ein Vertrete der SDAJ. In seinem Redebeitrag ging er auf die Naziaktivitäten in der Region ein und wies insbesonders darauf hin das der Anmelder der monatlichen Naziaufmärsche in Gräfenberg ebenfalls im „Schilderhaus“ mit am Nazistammtisch sitzt. Weiterhin forderte er die Einrichtung eines kommunalen Fonds zur finanziellen Unterstützung von Opfern rechter Gewalt.
Als letztes sprach ein Vertreter der DKP zum Thema „Rolle und Funktion von Faschisten im Kapitalismus“. Angesichts der Wirtschaftskrise bestehe die Gefahr eines Erstarkens der Faschisten da dies die Schuld nicht bei der Profitgier von Banken und Konzernen suchen sonder die Schuld an der Krise dem „jüdischen Kapital“ anlasteten. Die Unzufriedenheit bei den Arbeitern und Angestellten über die Herrschenden werde durch das Hetzen der Nazis gegen Minderheiten so systemkonform abgeleitet.
Durch die Kundgebung konnte zumindest an diesem Freitag das Nazitreffen nicht statt finden (3 auswärtige Neonazis machten beim Erblicken der Antifaschisten sofort kehrt und fingen hektisch an zu telefonieren).
Dies ist neben der unerwartet hohen Zahl von über 100 Teilnehmern, trotz des nasskalten Wetters ein erster Erfolg. Es wurde den Nazis klar gemacht das sie hier und anderswo unerwünscht sind und auch den umliegenden Gastronomenvermittelt das Nazis keine lukrativen Gäste sind.
Die Polizei verhielt sich sehr deeskalierend und unterband nach Aufforderung sogar das seit vorletzten Freitag unzulässige flächendeckende Filmen durch das USK.
Da die Kundgebung nicht direkt vor der Kneipe stattfinden konnte zogen nach deren Beendigung noch etwa 40 Antifaschisten lautstark vor die, vom USK beschützte Kneipe.
Der Kampf gegen die Fürther Nazis wird weitergehen! Ab sofort soll es für sie keine ungestörten Freitagabende geben!
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Sonntag, 1. März 2009

Krieg dem Krieg - Nato abschaffen!


Lokale Demonstration gegen das Nato-Jubiläum

Sa. 14. März | 14 Uhr | Weißer Turm | Nürnberg

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2009 jährt sich die Gründung der NATO zum 60ten Mal
>>>Am 3. und 4. April werden die führenden Politiker- Innen der NATO-Staaten mit ca. 2000 BeraterInnen zu einem NATO-Gipfeltreffen zusammen kommen, um den 60. Geburtstag des Militärbündnisses medienwirksam zu feiern. Doch sie werden nicht die einzigen sein, die sich Anfang April in Straßburg, Baden-Baden und Kehl tummeln werden, denn wir werden ihnen dieses Fest gründlich vermiesen. 60 Jahre Kriegseinsätze, 60 Jahre Durchsetzung der Interes- sen der westlichen Industrienationen, 60 Jahre Entwicklung von Kriegstechno- logien und Strategien, 60 Jahre Militarismus und patriarchaler Männlichkeitskult - all das sind keine Gründe zu feiern. Deshalb werden wir zusammen mit zehn- tausenden DemonstrantInnen das Treffen stören, belagern und blockieren. Unser Protest wird sich nicht auf ein paar Tage im April beschränken, genauso wenig wie er sich auf Straßburg, Baden-Baden und Kehl begrenzen wird. Einer global wirkenden Militärmacht begegnen wir mit globalen Widerstand.

>>> In Nürnberg werden wir deshalb am 14.03. für die Abschaffung der NATO, gegen Krieg und Kapitalismus demonstrieren!

ausführlicher Aufruf (erscheint in Kürze!)

“LATEST NEWS” - Info- und Mobilisierungsveranstaltung
25. März | 19 Uhr | Desi | Brückenstr. 23 | Nürnberg


Konferenz und Aktionstag gegen Krieg und Militarismus in Nürnberg

Sa., 7. März, 13.00 Uhr, Desi, Brückenstr. 23 Nürnberg:
Konferenz gegen Krieg und Militarismus

mit Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) Tübingen, VertreterInnen der Roten Aktion Kornstraße Hannover, ein Deserteur von den Iraq Veterans Against the War und vielen anderen.

PanzerVom 3. bis 4. April treffen sich politisch und militärisch Verantwortliche aus den an der NATO beteiligten kapitalistischen Staaten zu einer Tagung in Straßburg. Neben Diskussionen über militärische und geopolitische Strategien, neben Absprachen über gegenwärtige und zukünftige Kriege zur Sicherung von Profiten, stehen im Rahmen der Tagung Feierlichkeiten zum sechzigsten Jubiläum der NATO auf der Tagesordnung.
Europaweit ruft die Antikriegsbewegung zu Protesten gegen diese NATO-Kriegstagung in Straßburg auf. Geplant ist eine Demonstration, Blockaden des Veranstaltungsortes und zahlreiche weitere Aktivitäten.
Grund genug im Vorfeld der Ereignisse im Rahmen einer Konferenz der zunehmenden Militarisierung der Politik, der Kriegspolitik kapitalistischer Staaten und den Ursachen für Militärinterventionen und Kriege inhaltlich auf den Grund zu gehen. In drei aufeinander folgenden Themenblöcken wird die Thematik untersucht. Am Abend, ab 19.30 Uhr, findet dann eine Podiumsveranstaltung zu den Aktionen gegen Krieg und den Nato-Gipfel in Strasbourg statt.
Danach, ab 22:30 Uhr Party mit Impulse-DJ-Team, amplified.attitude und Kampfansage (DJ Rehnade und Freundin).

Das Programm zur Konferenz findet ihr hier.

Samstag, 14. März 2009
Aktionen in Nürnberg im Rahmen des bundesweiten Aktionstages gegen Militarismus

12.00 Uhr, Lorenzkirche Agit-Prop-Aktion “Gegen kapitalistische Kriegspolitik

14.00 Uhr, Weißer Turm Demonstration “Krieg ist kein Grund zum Feiern! NATO abschaffen! Für eine Welt jenseits von Krieg und Kapitalismus…”

Quelle: redside.tk

Donnerstag, 19. Februar 2009

Der Kunstverein bleibt!

Nürnberg braucht alternative Kultur

Demo | Sa. 28.02.2009 | 14.00 Uhr | (Ex)KOMM, Hbf

Volxküche und Solikonzert | ab 18.00 Uhr im KV

KV bleibt!Mit der geplanten Schließung des Kunstvereins im Z-Bau schlägt die Stadt ein weiteres Kapitel der kulturellen Verarmung Nürnbergs auf. Nach und nach werden selbstverwalteten und unkommerziellen Projekten die öffentliche Unterstützung entzogen und wie im Fall des Kunstvereins die Räume unter fadenscheinigen Begründungen weggenommen.
Kommt zur Demo, zeigen wir den Verantwortlichen der Stadt Nürnberg dass wir Viele sind. Alternative Kultur wurde in Nürnberg schon viel zu lange ignoriert, es wird Zeit dass sich hier etwas ändert.

weitere Infos:
Kunstverein Nürnberg | www.kv-bleibt.de | zur Demo | Aufruf

Quelle: redside.tk

Siehe auch Beitrag "KV-bleibt!" - Demo in Nürnberg!

Mittwoch, 18. Februar 2009

Eure Armut kotzt uns an…

Wie bereits in der Onlineausgabe der Sächsischen Zeitung berichtet wurde, kam es letzten Samstag in der Dresdner Neustadt zu einem tragischen Vorfall der besonderen Art: Überraschend aufgetretene Windböen brachten am Albertplatz zwei oberfränkische Polizeiwägen zum Umkippen, welche dabei massiv beschädigt wurden. So hielten nicht einmal die Außenspiegel und Kfz-Kennzeichen diesem wahren Orkan stand.

Mehrere fränkische AntifaschistInnen, die zufällig am Unfallort vorbeikamen, waren von dem Ausmaß der Zerstörung so schockiert, dass sie spontan beschlossen ihre Solidarität mit den heimischen PolizistInnen (aus dem Nahen Bamberg) zu bekunden. „Das ist für uns eine Frage der Solidarität. Bei so etwas müssen wir Vermummte doch zusammenhalten,“ teilte einer der Antifaschisten mit. Er begründete die Aktion zudem mit dem dieses Jahr noch anstehenden Großereignis in Straßburg und Baden-Baden und meinte: „Das 60-jährige Bestehen der Nato können wir nur gemeinsam gebührend feiern. Ohne Außenspiegel nach Frankreich, das geht ja nicht.“

Deshalb ergeht an alle LeserInnen die freundliche Aufforderung möglichst großzügig für die Wiederinstandsetzung der beiden Polizeiwägen zu spenden, damit vielleicht sogar noch etwas Geld für einen kleinen Wurstkorb übrig bleibt. Schließlich müssen unsere FreundInnen und HelferInnen diesen Schrecken ja auch erst mal verdauen. Weitere Infos und die Bankverbindung finden sie auf der Homepage www.polizei.bayern.de!

Klaus Knüppler vom bayrischen Unterstützungskommando (USK) begrüßte die unerwartete Solidaritätsbekundung schon im Vorfeld mit den Worten: „Wartet nur, euch Scheißzecken schlagen wir die Fresse ein!“


Liebesgrüße aus Dresden...


Hoch die internationale Solidarität!


Quelle: anonymes Schreiben


"KV bleibt!" - Demo in Nürnberg

KV bleibt!

und dafür DEMONSTRIEREN wir!

Am 28. Februar 2009 in Nürnberg, - Start am KOMM / K4.

Mit der geplanten Schließung des Kunstvereins im Z-Bau schlägt die Stadt ein weiteres Kapitel der kulturellen Verarmung Nürnbergs auf. Nach und nach werden selbstverwalteten und unkommerziellen Projekten die öffentliche Unterstützung entzogen und wie im Fall des Kunstvereins die Räume unter fadenscheinigen Begründungen weggenommen.

Alternative Projekte werden getötet.

Seit der Schließung des KOMM in Nürnberg nahmen die Möglichkeiten Kultur frei und unabhängig von wirtschaftlichen Absichten zu gestalten stetig ab. Unbekannte oder weniger bekannte Künstler, Bands und Veranstalter haben kaum noch Möglichkeiten ihre Arbeit in der Öffentlichkeit zu präsentieren, die Bürger Nürnbergs verlieren die Möglichkeit für kleines Geld einen netten Abend zu verbringen und neue Künstler zu erfahren.

Gelder für Museen, Theater oder nette Brunnen sind immer da.

Öffentliche Kulturarbeit kostet Geld, der Bau und Unterhalt von Opernhäusern, Museen und Theatern sind mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden, dem Geld aller Steuerzahler. In alternativen Projekten kann ein großer kultureller Bereich für viele Menschen jedoch mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand abgedeckt werden, Einrichtungen wie der Kunstverein beweisen dies schon seit Jahrzehnten.

Steuergelder für kommerzielle Zwecke fließen.

Die aktuelle Entwicklung geht allerdings genau in die Gegenrichtung. Der Kunstverein, der Miete für seine Räumlichkeiten bezahlt soll nun ausziehen, die Initiative für ein autonomes Zentrum wollte von städtischer Seite bisher nicht registriert werden. Dafür werden mit Steuergeldern die kommerziell genutzten Räume im Z-Bau saniert!

Demo zum Erhalt des KV.

Mit der Demonstration am 28.02 werden auf diese Sachverhalte aufmerksam gemacht. Wir fordern den Erhalt des Kunstvereins sowie die Schaffung eines autonomen Zentrums. Gerade alternative Projekte verdienen die Unterstützung der öffentlichen Hand, wir fordern die Anerkennung von subkultureller Arbeit in Nürnberg.

Kommt zur Demo, zeigen wir den Verantwortlichen der Stadt Nürnberg dass wir Viele sind. Alternative Kultur wurde in Nürnberg schon viel zu lange ignoriert, es wird Zeit dass sich hier etwas ändert.


Danke: Gerhard Seyfried

Die Demo am 28.02.2009.

13:30h: Treffen am K4, Hauptbahnhof Nürnberg (ex KOMM).
14:00h: Beginn der Demo.

Die Route läuft vom K4 - Königstraße - Karolinenstraße - Weißer Turm - Kaiserstraße - Fleischbrücke - Hauptmarkt - Rathaus - zur Lorenzkirche.

Wir organisieren vom Lautsprecherwagen bis zur LiveBand alles außen herum.

18:00h: Volxküche im KV - Vegan Food. (es müssten noch paar BiFi da sein ... )

19:00h: KV - Theke geöffnet für alle Besucher und Freunde.

20:00h: Großes Solikonzert - 4 Bands - OpenEnd

Wir fordern:

  • Den Erhalt des Kunstvereins in seiner Struktur und an seinem jetzigen Ort
  • Die Aufnahme der Räume des Kunstvereins in den Sanierungsplan des Z-Baus als Veranstaltungsort
  • Eine angemessene und realistische Priorisierung der Räume des Kunstvereins bei der Verteilung der verfügbaren Mittel
  • Einen eigenen Mietvertrag mit der Stadt Nürnberg
  • Die Neubewertung des Nutzungskonzeptes des Z-Baus, um alle verfügbaren Räume für alternative Kultur zu nutzen

und endlich

  • Die Anerkennung der langjährigen Verdienste des Kunstvereins für die Nürnberger Jugendkultur auch bei der Stadt Nürnberg

Du forderst:

  • Die Verteilung von Steuergeldern nicht nur an Theater und Opernhäuser sondern auch für alternative Projekte der Jugendkultur.
  • Den Erhalt Deines Punkclubs und Wohnzimmers
  • Den Erhalt Deiner Bühne für junge Künstler und Bands in Nürnberg
  • Dein Recht auf einen schönen Abend für kleines Geld

Du kommst weil:

  • Die Stadt Nürnberg uns allen gehört
  • Unsere Steuern auch für unsere Projekte ausgegeben werden sollen
  • Der KV Deine Hilfe braucht
  • Diese Demo wirklich geil wird
  • Du Livemusik und DJ´s auf dem LKW schon immer mal sehen wolltest
  • Wir den Kunstverein nach außen bringen
  • Du sowieso auf die Livemusik - OpenEnd Party willst

Quelle: kunstverein-nuernberg.de

Mittwoch, 28. Januar 2009

Charmeoffensive ins Leere

Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik unter neuer Leitung

Wie jedes Jahr findet Anfang Februar die Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik (SiKo) statt, vormals genannt Wehrkundetagung. Seit Anfang der 1960er Jahre treffen sich in der Isarmetropole internationale SicherheitspolitikerInnen, Militärs und Rüstungsindustrielle - und stoßen dabei zunehmend auf Protest. Daran wird auch nichts die Neuausrichtung der SiKo ändern, die seit diesem Jahr unter Leitung des Ex-Diplomaten Wolfgang Ischinger steht.

"So schafft die Krise auch Gutes", da ist sich Ischinger ganz sicher. Zumindest, wenn es die Europäische Union schaffe, gestärkt aus der aktuellen Finanzkrise als Stabilitätsraum "weltweit respektiert herauszuwachsen". Und vorausgesetzt, der Westen könne seinen "Führungsanspruch" mit einem System von "global governance" behaupten, "das auch dann noch Geltung beanspruchen kann, wenn das relative Gewicht des Westens in der Welt, sowohl hinsichtlich Bevölkerungszahl wie hinsichtlich Wirtschaftskraft, angesichts der neuen Wachstumsmächte abnehmen wird". Für Ischinger ist dabei eines ganz klar: "Die Uhr tickt und dem Westen bietet sich in der Krise eine große aktuelle Gestaltungschance."

Vom 6. bis 8. Februar 2009 wird der erfahrene deutsche Spitzendiplomat zum ersten Mal die 45. Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik (SiKo) im Luxushotel Bayrischer Hof leiten. Ischinger versteht sein Geschäft. Er war Staatssekretär im Auswärtigen Amt sowie deutscher Botschafter in Washington und London. Und trotzdem ist seine diplomatische Charmeoffensive bereits kurz nach der ersten Pressekonferenz am 1. Dezember 2008 - militärisch gesprochen - als Rohrkrepierer geendet.

In einem Gastkommentar unter dem Titel "Das Gute an der Krise" in der Süddeutschen Zeitung vom 15. Dezember 2008 fabulierte Ischinger zunächst locker drauf los: "In der Medizin führt die ,Krisis` zum Abflauen des Fiebers, bezeichnet also den Wendepunkt hin zur Besserung." Doch bereits diese Aussage ist medizinisch betrachtet einfach falsch: Nach einer "Krisis" kann es zum Abflauen des Fiebers kommen, muss es aber nicht. In vielen Fällen endet eine "Krisis" vielmehr tödlich. In keinster Weise ist eine "Krisis" also per definitionem der "Wendepunkt hin zur Besserung", wie Ischinger behauptet. Denn eine Krise ist vom Ausgang her völlig offen.

Falsche Bilder und hohle Phrasen

Diese medizinische Fehldiagnose war jedoch vergleichsweise harmlos zu seiner weiteren Argumentation: "Auch in der Politik sind viele Errungenschaften ohne vorangegangene Krise kaum denkbar: Die Europäische Union von heute wäre ohne die große Krise Europas, die zwei Weltkriege hervorgerufen hatte, nie zustande gekommen", setzte Ischinger seine historische Analyse fort, bevor er zur oben zitierten Gestaltungschance zur erneuten Absicherung des westlichen Führungsanspruchs in der aktuellen Krise überging. (vgl. www.securityconference.de)

Bundesweite Medienresonanz erzielte nur wenige Tage nach Ischingers SZ-Gastkomentar eine Stellungnahme des KZ-Überlebenden Martin Löwenberg. Er forderte Ischinger darin zum Rücktritt von allen seinen Ämtern und zu einer Entschuldigung auf: Ischingers Text sei "menschenverachtend, geschmacklos, zynisch und bedeutet eine unerträgliche Verhöhnung der Millionen Verfolgten und Ermordeten des Nationalsozialismus" sowie eine Verdrehung historischer Tatsachen und eine "geschichtsrevisionistische Verschleierung der Verantwortung Deutschlands", schrieb Löwenberg. "Der 2. Weltkrieg wurde nicht ,hervorgerufen`. Das nationalsozialistische Deutschland und die Deutsche Wehrmacht haben nach einer staatlich geplanten Phase gezielter Hochrüstung zum Profit der deutschen Industrie einen verbrecherischen Angriffs- und Vernichtungskrieg geführt. Ohne diesen Krieg und ohne die Wehrmacht wäre auch die Shoa nicht möglich gewesen."

Bisher hat sich Ischinger, der noch auf seiner Pressekonferenz am 1. Dezember mehr "Transparenz und Dialog" angekündigt hatte, dazu nicht mehr geäußert. Seine diplomatische Schönwetteroffensive und seine Bemühungen, die Kritik in der Öffentlichkeit durch die jährlichen Massenproteste gegen die Münchner Kriegskonferenz zu entkräften, dürfte mit seinem Gastkommentar vorerst gescheitert sein. Für den 7. Februar kündigt das Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz bereits zum achten Mal eine antimilitaristische Großdemonstration an. In diesem Jahr sind die Münchner Proteste bundesweit zugleich Auftakt zur internationalen Mobilisierung gegen den NATO-Gipfel zum 60. Geburtstag des westlichen Militärbündnisses in Strasbourg und Baden Baden. Denn die Münchner Kriegskonferenz wird in der globalen "Krisenprävention" und im "Krisenmanagement", wie es Ischinger nennt, weiter an Einfluss gewinnen.

Mit der Entscheidung für den deutschen Spitzenbeamten wurden alle Gerüchte über einen Umzug der SiKo nach Berlin und eine ungewisse Zukunft der Tagung endgültig beendet. Mit der Wahl des neuen Konferenzleiters hat die Bundesregierung zugleich eine langfristige strategische Festlegung vollzogen: Mit Ischinger soll die Münchner Militärkonferenz - frei von protokollarischen Zwängen offizieller Gipfel - als Bühne für die außenpolitischen Interessen der deutschen Bundesregierung sogar noch ausgebaut werden. Dafür wird auch die zivil-militärische Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Militär intensiviert.

Ischinger kündigte in diesem Jahr erstmals eine Kooperation mit der Körber-Stiftung an, deren Stiftungskapital auch aus der Rüstungsproduktion der gleichnamigen Industriellenfamilie stammt: Mit der Gründung des "Munich Young Leaders Round Table on Security Policy" solle der "außenpolitische Führungsnachwuchs" gezielt gefördert werden, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Stiftung und SiKo.

Die neue Elite deutscher Außenpolitik, die auf gleicher Augenhöhe als "zukünftige Entscheidungsträger" an der Konferenz teilnehmen wird, rekrutiert sich aus einer Gruppe jüngerer MitarbeiterInnen der Bundesregierung, des Bundestages sowie verschiedener Think Tanks und Unternehmen. Auch in diesem Punkt nimmt es Ischinger mit den Fakten nicht besonders genau: Auf seiner Pressekonferenz wollte er zunächst deutlich machen, "dass dies keine Jahresversammlung der Rüstungsindustrie" sei, sondern es lediglich "um Krisenprävention und -management" gehe. Nur wenige Minuten später kündigte Ischinger jedoch an, dass es unter seiner Leitung erstmals auch ein offizielles Mittagessen von Konzernchefs mit hochrangigen VertreterInnen der Konferenz geben werde.

Eine Jahresversammlung der Rüstungsindustrie

Deutschland ist mittlerweile zum drittgrößten Rüstungsexporteur der Welt aufgestiegen. Nach dem Bericht der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE), der Anfang Dezember 2008 vorgestellt wurde, sind die deutschen Rüstungsexporte allein im letzten Jahr gegenüber 2006 um 13 Prozent gestiegen. Deutschland ist auch durch seine Rüstungsexporte zum Exportweltmeister geworden. Letztes Jahr sind nach dem jährlich vorgelegten Rüstungsexportbericht der GKKE Waffen im Wert von 8,7 Mrd. Euro an 126 Staaten verkauft worden - davon liegen viele in Krisengebieten und/oder werden von Militärdiktaturen oder Regimen regiert, die für Folter und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind.

Deutschland ist nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) für den Zeitraum 2003 bis 2007 mit einem Anteil von zehn Prozent der weltweit drittgrößte Rüstungsexporteur nach den USA (36 Prozent) und Russland (25 Prozent), noch vor Frankreich und Großbritannien. Insgesamt haben die USA, Russland, Deutschland, Frankreich und Großbritannien einen Anteil von 80 Prozent an den weltweiten Rüstungstransfers. Laut Berechnungen von SIPRI verdoppelte die Bundesrepublik Deutschland ihren Export konventioneller Waffen innerhalb eines Jahres von 1,5 Mrd. US-Dollar (2005) auf 3,8 Mrd. (2006). Nach den USA und Russland avancierte Deutschland damit zum drittgrößten Waffenexporteur.

Das "Konfliktmanagement" von Ischinger und der Münchner "Sicherheitskonferenz" kostet also seit Jahrzehnten Millionen Menschen weltweit das Leben: Seit Jahren nehmen an der Münchner Kriegskonferenz auch die führenden deutschen Rüstungskonzerne teil. Häufig liefern deutsche Firmen in Krisengebieten an alle beteiligten Konfliktparteien - das war zum Beispiel im Krieg zwischen dem Iran und dem Irak der Fall, der dadurch viele Jahre dauerte und Hunderttausende Opfer gekostet hat. Ob in der Türkei, Pakistan, Indien, China, Georgien oder Ägypten, Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten - mit deutschen Waffen wird weltweit geschossen und gemordet. Auf der Gästeliste der Kriegskonferenz stehen unter anderem Europas größter Kriegswaffenproduzent EADS, die Siemens AG, der Münchner Panzerbauer Kraus-Maffei-Wegmann, Diehl & Co, Rohde & Schwarz, Rheinmetall bis hin zum weltweit größten Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing.

Politik, Militär und Wirtschaft Hand in Hand

Auch die Finanzierung der Konferenz unterstreicht die zivil-militärische Zusammenarbeit von Politik, Militär und Wirtschaft: Im Jahr 2007 wurde die Konferenz mit 323.000 Euro vom Bundespresseamt und mit rund 520.000 Euro aus dem Etat des Verteidigungsministeriums finanziert. Dabei kommt es auch seit Jahren zu einem bislang noch verfassungswidrigen Einsatz der Bundeswehr im Inneren: Allein 90 Soldaten übernehmen am SiKo-Wochenende das Hausrecht im Bayerischen Hof, weitere 310 Bundeswehrkräfte sichern das Umfeld des Tagungsortes, den Flughafen und die Hotels der Konferenzteilnehmer. Für weitere Kosten der Kriegskonferenz kommen Sponsoren aus der Rüstungsindustrie auf.

Seit 1962 werden auf der "Münchner Sicherheitskonferenz" die politischen und strategischen Koordinaten der nächsten Kriege ausgehandelt, geplant und vorbereitet. Auf der früheren "Wehrkundetagung" wurde in den Jahren des "Kalten Krieges" die Neutronenbombe propagandistisch durchgesetzt genauso wie die NATO-Nachrüstung 1983, der atomare Erstschlag und die aktuellen militärstrategischen Sicherheitskonzepte, die Präventivschläge wie weltweite Einsätze als dauerhafte militärische Krisenkontrolle vorsehen. Allein in den letzten Jahren wurden in München der zweite Golfkrieg (1991), der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999, der "Krieg gegen den Terror" in Afghanistan seit 2001 und im Irak seit 2003 ausgehandelt. In diesem Jahr dürfte kurz vor dem NATO-Gipfel insbesondere eine neue Aufgabenverteilung in Afghanistan auf der Tagesordnung stehen: Die neue Rolle, die Ischinger für Deutschland dabei vorschwebt, wird zu einer weiteren Ausweitung des Kriegseinsatzes am Hindukusch und in anderen Regionen der Welt führen.

Der Skandal um die Verstrickung der deutschen Bundesregierung und des aktuellen Außenministers in das weltweite System der Folterflüge zeigt: Die DemonstrantInnen haben bei den Protesten gegen die "Sicherheitskonferenz" in München völlig zu Recht den früheren US-Verteidigungsminister als "Massenmörder" und "Folterer" bezeichnet - dafür wurden Dutzende von der Polizei geschlagen und verhaftet. Heute muss sogar der US-Senat eingestehen, dass Donald Rumsfeld für die systematische Folter in den weltweiten Gefängnissen der USA und der NATO von Afghanistan bis Guantanamo verantwortlich gewesen ist.

Die staatlichen Behörden und die Münchner Polizei hatten für die besseren Argumente immer nur Verbote, Schlagstöcke, Pfefferspray und Massenfestnahmen als Antwort. Das konnte den notwendigen Widerstand gegen die globale Kriegspolitik aber nicht verhindern. So haben die Proteste gegen die SiKo seit 2001 kontinuierlich zu einem Verständnis der Zusammenhänge beigetragen: Die kapitalistische Globalisierung führt zu einer zunehmenden Militarisierung der Gesellschaften nach innen und außen und zur globalen Kriegspolitik der NATO-Staaten. Oder wie es der letzte SiKo-Leiter Horst Teltschik formulierte: "Was das Weltwirtschaftsforum in Davos für die Spitzenvertreter der internationalen Wirtschaft ist, ist die Sicherheitskonferenz in München für die Repräsentanten der strategischen Gemeinschaft."

Aus: ak - analyse & kritik, siehe auch: www.akweb.de


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